Shanghai

China für Einsteiger

China polarisiert. Einmal da gewesen, scheiden sich meist die Geister. Die einen lieben die fremden Gerüche und Geschmäcker, den Trubel der Großstädte, die Möglichkeit für vergleichsweise günstiges Geld Qualitätsware (oder auch nicht-Qualitätsware) zu ersteigern und sich im Abenteuer treiben zu lassen. Die anderen fühlen sich fremd und isoliert, ertragen das dauernde starren und angefasst werden nicht, fühlen sich schlecht ob der heftigen Reich-Arm Diskrepanzen auf kleinem Raum und kommen mit dem Kulturschock nur langsam zurecht. Shanghai bietet sich hier als China für Einsteiger an. Die globalisierte Stadt bietet genug Kulturschock, um dem asienfremden Westler einen großartigen Einblick in das sich rasant wandelnde Land zu ermöglichen, ist jedoch in manchen Dingen den amerikanischen Großstädten ähnlich genug, um zumindest eine gewisse Orientierungsmöglichkeit zu gewährleisten. Zwar spricht kaum (!) jemand Englisch, zumindest der städtische U-Bahn-Plan ist jedoch zweisprachig, und es gibt einige Kneipen und Restaurants, die sich an der europäischen Küche orientieren. Was keine Empfehlung ist, dem alten Ernährungstrott  zu folgen und nur zu etablierten Burgerketten zu gehen. Ähnlich einer Indienreise muss sich das Verdauungssystem allerdings erst an die vielen fremden Bakterien gewöhnen (unabhängig von der Hygiene in der lokalen Küche), so dass ab und an ein kleiner “Urlaub” für den Bauch sehr hilfreich sein kann.

Sehr sehr hilfreich ist es selbstverständlich, vor Antritt der Reise zumindest ein paar Brocken Mandarin zu lernen, um nicht ganz der Orientierungslosigkeit und Isolation anheim zu fallen. Die wenigsten Produkte werden einfach so gekauft – meist wird um den Preis gefeilscht, wobei man als Europäer automatisch als wohlhabend eingestuft wird, und davon ausgehen kann den 15-fachen Preis des eigentlichen Wertes genannt zu bekommen. Mein Aufenthalt in Shanghai betrug (mit einigen Reiseunterbrechungen) insgesamt knapp 4 Wochen, wobei 4 Tage die Woche á 4 Stunden am Tag von unserer Gruppe ein Mandarin-Kurs besucht wurde. Die Eingewöhnung in das Land wurde mit jedem gelernten Satz immer einfacher. Dazu kommt, dass die Chinesen unglaublich erstaunt, gutmütig und meist auch geduldig auf unsere Brocken Chinesisch reagiert haben. Dadurch waren zumindest leichte Interaktionen möglich, die sehr wertvoll waren. Deswegen noch einmal der Tipp: Am besten ist es, sich zumindest rudimentär ausdrücken zu können.

Hier kommen nun einige Reisetipps, gespickt mit Warnungen und Hinweisen bezüglich dessen, was sich in Shanghai anbietet – und was man lieber lassen sollte. Bezüglich Sicherheitshinweisen, Impfempfehlungen, Trinkwasser, Zoll und sonstigen Anreisedetails hat die Süddeutsche Zeitung hier außerdem einige sehr hilfreiche Informationen gesammelt.

CIMG0813 KopieYu-yuan-garten

Das Teehaus im eigentlichen Park gehörte bis ins 19. Jahrhundert zum “Garten der Zufriedenheit”, dem heutigen Yu Garten (merke: Yuan = Garten). Der Garten wurde 1559 in der Ming-Zeit als Ruhesitz für die Eltern eines hohen Beamten angelegt. Danach gab es Phasen der Verwilderung, des Verfalls und Neugestaltungen. Heute ist der Yu-Yuan ein eindeutiger Tourismus-Hotspot, bietet aber kulinarische Highlights und die Möglichkeit, original Architektur des 17. Jahrhunderts zu bestaunen.

Uferpromenade Bund

Der weltberühmte Bund in Shanghai entstand Ende des 19. Jahrhunderts mit der Errichtung zahlreicher westlicher Prunkbauten. Die beeindruckendste Uferpromenade Shanghais bildete mit den Büros führender Banken und Handelshäuser das wirtschaftliche Zentrum der Stadt, ergänzt von einem Hafen direkt vor Ort.

Die 1,5km lange Straße erstreckt sich vom ehemaligen britischen Konsulat entlang zahlreicher hübscher Bauten bis zum Tung Feng Hotel. Es bietet einen guten Eindruck vom Shanghai der 20er/30er Jahre und dient heute noch als Treffpunkt der Seeleute.

French concession

In den heutigen Stadtbezirken Luwan und Xuhui befindet sich in der Nähe der Altstadt die ehemalige Französische Konzession. Als im 19. Jahrhundert viele Ausländer nach Shanghai kamen, errichteten sich die französischen Händler und Geschäftsmänner ihr eigenes Viertel nach typisch französischer Art. Heute sticht dieses Viertel hervor durch seine Mischung aus französischem Baustil und gelebter chinesischer Kultur.

altstadt

Die Shanghaier Altstadt befindet sich um den Yu Yuan herum, wobei nur noch Reste von den einst imposanten Bauten zeugen. Zum flanieren eignet sich diese Ecke der Stadt sehr gut, vom shoppen ist jedoch abzuraten. Die hier werbegefeilten Produkte haben die gleiche Qualität wie im Rest der Stadt, man zahlt jedoch einiges an Tourismusextra drauf. Ausnahme hier wieder: die Essensstände und kleinen Lokale. Die Qualität der Speisen ist gut und der Preis ungefähr Standard.

nanjing lu

CIMG0703 KopieDie Nanjing Lu ist die Haupteinkaufsstraße von Shanghai. Sie durchzieht die Stadt von Osten nach Westen. Zu Zeiten der Kolonialisierung galt die Nanjing Lu als eine der elegantesten Einkaufsstraßen der Welt und wurde immer wieder mit dem New Yorker Broadway od. der Londoner Oxford Street verglichen. Früher gab es hier auch viele Teehäuser, die zugleich als elegante Bordelle dienten. Besonders witzig: die kleine Straßenbahn, die quer durch die Nanjing Lu fährt, und auch im Hochsommer noch Jingle Bells abspielt.

Tipp zum Tipp: In die Seitenstraßen ausweichen. Nicht zum einkaufen, sondern um die realen Wohn- und Einkaufszustände zu erleben.

Oriental Pearl Tower

CIMG1286 KopieDer Oriental Pearl Tower steht im Shanghaier Stadtteil Pudong und ist mit einer Höhe von 468 Metern der derzeit dritthöchste Fernsehturm Asiens und der fünfthöchste der Welt. Gegen ein Entgeld kann man die verschiedenen Etagen des Turmes besichtigen, welche theoretisch einen tollen Überblick über Shanghai bieten. Praktisch kann der Smog in der Luft einiges von diesem vermeintlichen Zauber nehmen, dennoch ist die Aussicht toll. Nicht empfehlenswert für Leute mit starker Höhenangst.

Unterirdische Märkte

In Shanghai kann man sich großartig treiben lassen. wer das ultimative Shoppingerlebnis will, kann natürlich in die Super Brand Mall gehen. wirklich spannend sind allerdings die unterirdischen Märkte, wie beispielsweise am Ende der Nanjing Lu. Man denkt man bewegt sich auf den U-Bahn Schacht zu, und befindet sich plötzlich mitten in einer Art unterirdischem, echt-chinesischen, und nicht auf Touristen fixierten Kaufhaus.

Hygiene-Ampel

In den meisten, etablierten Restaurants befinden sich mittlerweile an den Türen oder im Eingangsbereich die sogenannten “Hygiene-Smileys”, die einem anzeigen wie sauber die Küche und sanitären anlagen sind. Ganz nach Ampelsystem gibt es auch hier grün, gelb und rot. Für jemanden, der noch nie in Asien war wird das Essen sowieso einige Probleme bereiten. Daher ist es nicht ratsam, Restaurants mit roten oder gelben Smileys aufzusuchen, nach einiger Eingewöhnungszeit werden die gelben jedoch irgendwann gehen.

Mückenschutz

Nicht nur zu empfehlen, um sich vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Ganz allgemein sind die asiatischen Stechmückenstiche mitunter äußerst schmerzhaft und führen zu starken Schwellungen und Verfärbungen der Haut. Häufig bleiben durch die Dehnung der Haut große Narben über. Deswegen unbedingt tropischen Mückenschutz mitnehmen.

Entspannen

Shanghai ist viel zu riesig, wechselhaft und imposant um jemals alles zu erleben. Deswegen am besten: ein paar wichtige Punkte aus dem Reiseführer raus schreiben und abarbeiten. Und sich danach einfach und entspannt dem bunten Treiben hingeben, und die Tatsache genießen dass man in f***ing Shanghai ist. Ja wohl!

Mir ist durchaus bewusst, das diese Reisetipps nicht besonders geordnet sind. Das liegt nicht nur an meiner mangelnden Konzentrationsfähigkeit, sondern auch daran, dass es als Westeuropäer wahnsinnig ist, die Erlebnisse strukturiert zu verarbeiten. Die abenteuerlichen 4 Wochen in Shanghai haben mir vieles beigebracht, doch genau so schwer fällt es mir immer noch vieles einzuordnen und geordnet wieder zu geben. So ist es den meisten aus unserer Gruppe gegangen. Deswegen hier der letzte und wichtigste Tipp: Nimm jemanden mit. egal ob Familienmitglied, Freund/in oder Partner/in, alleine können die Gerüche, Farben und Geschmäcker den vielleicht in Asien noch nicht so bewanderten Reisenden schnell überfordern. Gemeinsam mit einem für gut befundenen Reisekamerad macht es nicht nur mehr Freude, man bietet sich auch gegenseitig Hilfe und Orientierung (besonders dann, wenn dich der zehnte Chinese des Tages anfasst um zu untersuchen, ob Haut- und Haarfarbe echt sind). Und gemeinsam kann man dann am schönsten in Erinnerungen schwelgen.

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